Ausbildungsreferat der Sektion Forchheim


Ausbildung in den Alpen - mal anders

Neben dem Bergsteigen gibt es in den Alpen noch viel mehr zu lernen - zum Beispiel über die Geographie dieses 65 Mio. Jahre alten Hochgebirges. Und manchmal ergänzen sich die beiden Bereiche sogar: Geographische Grundkenntnisse helfen dabei, Touren zu planen und Situationen richtig einzuschätzen.

Neugierig? Folgen Sie uns doch auf eine kleine geographische Wanderung!

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Lochkarst in Slowenien

Wasser löst Bestandteile des kalkhaltigen Gesteins und verwittert es dadurch. Es entstehen unterschiedlichste Formen wie Löcher, Rinnen oder auch Höhlen. Nicht nur Teile der Alpen, sondern auch der Frankenjura sind durch Karstprozesse geprägt.

Deswegen eignen sie sich hervorragend zum Klettern.

 
 

Rillenkarst im Karwendel

Auch diese Rillen sind eine Folge chemischer Verwitterung durch Wasser im Kalkgestein.

Sie können sehr scharfkantig und durchaus schmerzhaft sein.

Gletscher im Stubaital

Gletscher sind bewegliche Eismassen, die sich dort bilden, wo über lange Zeit mehr Schnee fällt als abtauen kann. Der Schnee verfestigt sich durch Druck zu bläulich schimmerndem Gletschereis.

Die Eismassen gleiten langsam ins Tal und lassen dabei die für Bergsteiger gefährlichen Spalten entstehen (s.u.). Andererseits sind Anstiege über den Gletscher technisch oft leichter als über den Fels.

 

Kar im Karwendel

Ein Kar ist ein Kessel, der früher einen Gletscher beherbergt hat und von diesem geformt wurde. Dieser Kessel hat auf drei Seiten steile Wände und auf der vierten eine niedrige Schwelle, dort, wo früher der Gletscher ins Tal geflossen ist.

Oft befindet sich am Boden eines Kars ein kleiner See, der ein lohnendes Ziel für eine Mountainbiketour darstellt oder wie gemacht ist, um nach dem Klettern zu entspannen.

Seitenmoräne am Ortler

Moränen sind Ansammlungen von Schutt, die von einem Gletscher transportiert und abgelagert werden. Im Bild kann man besonders gut die dammförmige, mit spitzem Kamm versehene Seitenmoräne des inzwischen abgetauten Gletschers erkennen (rechts vorne).

Seitenmoränen sind relativ steil und wegen des Lockermaterials, aus dem sie sich zusammensetzen, schwer zu überwinden. Nach dem Gletscherrückzug werden sie langsam abgetragen.

 

Gletscherspalte am Ortler

Spalten entstehen v.a. dort, wo Gletscher von flachem in steileres Gelände fließen, da das Eis hier an der Oberfläche "einreißt". Da ein Gletscher ein bewegliches Gebilde ist, ändern sich auch Lage und Tiefe der Spalten ständig. Diese hier ist aper, man kann sie gut sehen. Schneebedeckte Spalten sind dagegen tückisch, weil man unvermutet einbrechen kann.

Auf dem Eis liegt Schutt: die sogenannte Obermoräne.

Schneebrett in der Wildschönau

Wenn Schnee mehrere Lagen bildet, die schlecht miteinander verbunden sind, spricht man von einer instabilen Schneedecke. Ist der Hang, auf dem sie sich bildet, dann noch ausreichend steil (> 30°), können die oberen Schneeschichten als Schneebrett-Lawinen abgehen.

Manchmal, wie auf dem Bild, werden die rutschenden Schollen sofort gebremst. Wenn nicht, sollte man lieber nicht in der Nähe sein.

 

Windgangeln im Obernbergtal

Solche Formen entstehen, wenn starker Wind den Schnee presst. Man kann auch die dominierende Windrichtung erkennen: Der Wind kommt von der Steilseite der Gangeln.

Wenn man auf (Ski-)Tour solchen Formen begegnet, kann man auf weitere Verblasungen schließen - und damit auf eine erhöhte Lawinengefahr besonders im Bereich eingewehter Mulden.

 

Schneefelder im Piemont (im August)

Schneefelder halten sich auf Nordseiten und in schattigen Lagen bis in den Sommer hinein, besonders in Höhen ab ca. 2000m. Sie können dann immer noch mehrere Meter mächtig sein und den Zustieg zu Kletterrouten oder auch das Begehen von Wegen erschweren.

Das ist ein Umstand, den man vom heißen, sommerlichen Tal aus leicht unterschätzt - und der zu so mancher Überraschung führen kann.

 

Steinschlag

Aus geographischer Sicht ist Steinschlag ein Erosionsprozess: Durch Verwitterung oder den Wegfall eines Widerlagers (z.B. Gletscher) werden einzelne Steine in einer Wand instabil und folgen schließlich der Schwerkraft nach unten.

Aus Sicht des Bergsteigers ist Steinschlag eine der am schwersten vorauszusehenden objektiven Gefahren der Berge. Deshalb gilt bei alpinen Klettereien strikte Helmpflicht.

Randkluft

Spalt zwischen einer Felswand und einem Gletscher oder einem Schneefeld. Er entsteht, weil sich der Fels in der Sonne stark erwärmt und dadurch das Eis bzw. der Schnee zurückweicht.

Für Bergsteiger ist er oft ein nur schwer überwindbares Hindernis auf dem Weg zum Gipfel.

 

Solifluktion in Chile

Solifluktion gibt es auch in den Alpen, aber dort sieht man sie meist weniger deutlich. Es handelt sich um einen Kriechprozess von Material, das dabei sogenannte Loben ausbildet. Aneinandergereiht sehen sie ein wenig aus wie eine Steingirlande. Solifluktion gibt es nur im Hochgebirge, weil für diesen Prozess Eis zwischen den einzelnen Materialkomponenten nötig ist.

Alpinisten lässt die Solifluktion im Normalfall kalt.

Wasserfall im Piemont

Wasserfälle entstehen auf zweierlei Arten: Entweder sie schaffen sich ihre eigene Stufe, z.B. an Gesteinsunterschieden (hart - weich). Oder sie strömen über bestehende Geländestufen, die z.B. von Gletschern geschaffen wurden. Letzteres ist vielfach in den Alpen der Fall.

Das Baden in Wasserfällen ist auch abgehärteten Alpinisten aufgrund der Steinschlaggefahr und möglicher Strudel nur eingeschränkt zu empfehlen...

 

Enzian

Der Enzian ist eine der berühmtesten Alpenpflanzen. Er gilt als gefährdet und steht unter Naturschutz. Wahre Geographen lassen die blauen Blüten daher ebenso wie wahre Bergsteiger unberührt: Auf den Bergen sind sie eh am schönsten.

Darüber hinaus gibt es noch den gleichnamigen Vertreter aus der Flasche, der keinen besonderen Schutz-bestimmungen unterliegt...

Zwergstrauchvegetation

Die Vegetation in den Alpen ist in bestimmte Zonen gegliedert, die durch die Höhenlage bedingt sind:

- Laub- und Mischwald (bis 1400m)
- Nadelwald (bis 1800m)
- Zwergsträucher (bis 2100 m)
- Rasen und Matten (bis 2400m)
- Moose und Flechten (bis 3000m)

Die Höhenangaben gelten natürlich nur ganz grob. Pflanzen sind also kein adäquater Ersatz für einen Höhenmesser.

 

Cumuluswolke

Cumulus- oder Quellwolken entstehen durch aufsteigende Luft. Die Luft kühlt dabei ab, die darin enthaltene Feuch-tigkeit kondensiert, eine Wolke bildet sich. Das passiert v.a. an Schönwettertagen mit hoher Luftfeuchtigkeit und kann in den Bergen sehr schnell gehen. Die Endform ist Cumulonimbus, die berüchtigte Gewitterwolke.

Die Wolke auf dem Bild ist noch ungefährlich, aber schon in kurzer Zeit kann sie zu einer Gewitterwolke werden. Deswegen: Lieber absteigen!